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Chronik
1972 - es war die Zeit des Umbruchs, der Erneuerung und des Aufbruchs. Der Oberbürgermeister Rudi Arndt wollte mit Dynamit die Oper sprengen, die Studenten hatten die Häuser besetzt und die Bader-Meinhofs wollten das System verändern. Die Umweltschützer hatten ihre ersten Erfolge, und dieser Gedanke wurde auch von allen Skippern aufgenommen. In einem völlig verwilderten Uferbereiches des Mains, inmitten eines häßlichen Industriegeländes, haben die Mitglieder des frisch gegründeten Wassersportvereins eine landschaftlich herrliche Oase geschaffen. Eine Holzbaracke der Bauleitung für die Kaiserlei-Brücke, die Symbol- und Namensgebung für unseren Club ist, und das städtische Grundstück dazu waren der Anfang. Die im ganzen Stadtgebiet verteilten Hobbyskipper mit und ohne Boot hatten sich am Wäldchestag zu einer ersten Besprechung zusammengefunden. Der Skipper Jochen Lucht (Versicherungsagent) und Hans Tragbar (Kapitän vom Bunkerboot) erledigten die Formalitäten mit den unterschiedlichsten Behörden und erreichten einen Pachtvertrag unter der Prämisse, daß sich mindestens sieben Mann zusammenfinden, miteinander vertragen und einen Verein gründen. Im Restaurant "Zum Storch" am Römer war die erste Vollversammlung und Parlamentsdebatte und kurz darauf in der Kneipe "Stadt Wien" die Konsolidierung. Die Skipper wählten Jochen Lucht zum "Ersten Vorsitzenden" und vollendeten damit die eigentliche Gründung. Die Ausstrahlung der Anfänge in den Kneipen ist bis heute allerorten gegenwärtig. Jetzt begann die Arbeit der Vereinspioniere. Keiner hatte Geld und Freizeit nur am Wochenende. Es mußten riesige Brombeerhecken gerodet, ein Zugang zum Wasser geschaffen und Anlegemöglichkeiten errichtet werden. Ein kleiner Steg mit drei Kesseln, geschnorrt vom Nauheimer und eine Holztreppe, Beute von der U-Bahnbaustelle, waren der Anfang. Dann kam der Umbau der Hütte zum Clubhaus und der Aufbau der Werkstätten. Nur zwei waren Handwerker, der Rest Kaufmann, Bürositzer oder nur Student. Allen gemeinsam aber war eine ausgeprägte Standfestigkeit beim Feiern und beim Trinken und so war der Baufortschritt den Tiden zwischen feste arbeiten und Feste feiern unterworfen. Der Club der leeren Taschen war auf Beute angewiesen und so wurde alles gesammelt, was möglicherweise irgendwann und irgendwo Verwendung finden kann. Die Wildnis der Natur, die war gerodet und bereinigt; die Wildnis Schrott und Abfallreste wuchs und boomte zum Kontrast. Trotz der primitiven Mittel und der mageren Ressourcen ist ein wahres Meisterwerk entstanden. Die Kunst: mach Viel aus Nichts und nichts ist unmöglich, hat hier wahre Wunder vollbracht. Die Zahl der Mitglieder, derer zehn und zeitweise auch mal dreizehn, deckt die gesamte Palette der Charaktere ab. Es mangelte nie an Rabulisten und Rebellen, an Sophisten und Querelen und trotzdem war es ein Verein. Das Hobby und die individuelle Interessenslage haben immer wieder die Gemeinschaft fest geprägt. Natürlich sind auch einige Aktionen trefflich schiefgegangen und mißlungen. Einen Kessel hat´s zerissen, beim Schweißen hat man nicht bedacht, daß der Innenanstrich mit Teer auch brennbar ist. Beim Brandroden wäre das Feuer beinahe außer Kontrolle geraten und drei Schiffe sind uns auch schon abgebrannt. Als Ausgleich dafür ist dann eines abgesoffen; aber mehrere Hochwasser, Windbruch und andere Katastrophen haben wir erfolgreich überlebt. Mit den Jahren wurde aber alles besser, schöner und auch angenehmer. Die Bootsbaustellen und die Umbaumaßnahmen neigten sich dem Ende zu, das Clubgelände wandelte sich vom Werftbetrieb zum Festgelände, inmitten einer Grünanlage, einem wahren Naturschutzparadies. Die Arbeit wurde weniger, die Festivitäten mehr und der Freizeitwert hat heute schon den höchsten Standard. Ein Wandel in Sport und Kultur zeichnet sich schon ab. Tauchen, Wasserski, Wavewalking, die moderne Musik, FKK und andere Aktivitäten sind bei vielen sehr beliebt. Neue, jüngere Mitglieder werden früher oder später auch das "high tech" des 21. Jahrhunderts mit seinen fantastischen Möglichkeiten der Medienshow und Kommunikation in die Welt der Alten einbringen und darauf warten wir jetzt noch! 30 Jahre jetzt danach, verfaßte ich den Almanach-, aus den Legenden unserer Alten mußte ich den Text gestalten. Ich sage Euch als der Chronist, daß dieses nicht so einfach ist, wenn selber man fast siebzig ist. Anno 2002 Werner Müller zurück zum Menü |